Interview mit Dr. Jochen Fabritius zur aktuellen Rohstoffsituation

Herr Dr. Fabritius, Sie haben bereits im April darauf hingewiesen, dass die Rohstoffknappheit und die daraus resultierenden hohen Rohstoffpreise mittelfristig bestehen bleiben werden. Wie schätzen Sie die Situation heute, Ende 2021, ein?

JF: Die Situation hat sich in den letzten Monaten weiter verschärft. Die chemische und bauchemische Industrie sieht sich bei zahlreichen Rohstoffen mit Versorgungsengpässen und in der Folge mit stark steigenden Beschaffungskosten konfrontiert – und zwar in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben. So haben sich beispielsweise die Preise für Melaminharze seit dem letzten Jahr verdoppelt, die für Acrylsäure sogar verdreifacht. Der Rohölpreis ist doppelt so hoch wie vor 12 Monaten, und der Preis für Rohbenzin, dem wichtigsten Rohstoff für die gesamte chemische Industrie, ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 60% pro Tonne gestiegen. Darüber hinaus sind wir neben den drastischen Rohstoffpreissteigerungen auch deutlich steigenden Kosten für Energie (+400%), Verpackung und Paletten (+300%), Transport und Personal ausgesetzt. (Quelle: Deutsche Bauchemie).

Was bedeutet das für uns?

JF: Angesichts der sich verschärfenden Situation und der zu erwartenden Fortsetzung dieser Entwicklung muss sich die Bauchemie auf deutliche Preissteigerungen über alle Rohstoffgruppen hinweg einstellen. Unsere Stärken sind innovative Lösungen und Produkte, ein hohes Maß an technischem Service und eine hohe Liefertreue. Um unsere Stärken in gewohnter Qualität und im gewohnten Umfang zu erhalten, müssen wir die Kosten, die uns entstehen, an unsere Kunden und Partner weitergeben. Bisher haben wir dies in der Regel im Rahmen unserer regelmäßigen jährlichen Überprüfung auf der Grundlage der langfristigen Kostentrends für unsere Inputfaktoren getan. Angesichts der Herausforderungen und der Volatilität der Rohstoff- und Frachtmärkte werden wir die Preise häufiger anpassen müssen, das heißt, auf vierteljährlicher oder sogar monatlicher Basis. Auf diese Weise passen wir uns an die Veränderungen an, die wir auf Seiten unserer Lieferanten und Kunden in der Branche beobachten.

Wie sieht Ihr Ausblick für die kommenden Jahre aus?

JF: Wir gehen nicht davon aus, dass sich die Situation auf dem globalen Rohstoffmarkt in absehbarer Zeit entspannen wird. Der steigende Rohstoffkostenindex deutet sogar darauf hin, dass sich die Situation im Jahr 2022 weiter verschlechtern wird und hohe Rohstoffpreise die neue Normalität sind. Weitere Preiserhöhungen sind daher unumgänglich, um weiterhin der zuverlässige Partner zu sein, als den uns unsere Kunden kennen und schätzen. Wir werden unsere Kunden weiterhin bestmöglich unterstützen. Wir haben eines der breitesten Portfolios in der Branche, und unsere Vertriebsmitarbeiter stimmen sich eng mit unseren Kunden ab, um sicherzustellen, dass sie alle unsere alternativen Produkte und Lösungen kennen, damit sie die bestmöglichen Entscheidungen treffen können.